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Einst mit Stahl in der 2. Liga

Finkenheerd Vor 50 Jahren haben die Fußball-Männer des SV Turbine Finkenheerd mit der BSG Stahl Stalinstadt in der 2. DDR-Liga gespielt. Derzeit hat der Verein Mühe, in der 1. Kreisklasse ein spielfähiges Team zusammen zu bekommen. Dennoch hat sich im 145 Mitglieder zählenden Verein zuletzt einiges getan.

An einen Aufstieg in die höchste Liga auf Kreisebene ist laut dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Lars Wendland frühestens in zwei Jahren zu denken, wenn die vier Finkenheerder A-Junioren das Männer-Team verstärken können. Ab diesem Zeitpunkt kann das Aushängeschild des 1947 gegründeten Vereins ständig mit neuen Spielern aus den eigenen Reihen rechnen.

"Von den A-Junioren bis zu den Minis sind wir außer bei den B-Junioren komplett besetzt", erklärt Schatzmeister Horst Siebke stolz. Dabei hat es ein Verein wie Turbine Finkenheerd in einer Gemeinde ohne Schule besonders schwer. So bildet er im Nachwuchsbereich Spielgemeinschaften mit den benachbarten SG Wiesenau 03 und Blau-Weiß Ziltendorf. Mit dem angrenzenden SV Blau-Weiß Groß Lindow streben die Finkenheerder eine engere Zusammenarbeit an.

Die hatte es bereits gegeben. Vor fast genau 60 Jahren hatte die SG Finkenheerd mit der SG Lindow zur ISG Lindow-Finkenheerd fusioniert. Doch die "Ehe" hielt nicht lange. Mit dem Einstieg des örtlichen Braunkohlewerkes als Träger war der Verein über die ZSG Glückauf, BSG Aktivist schließlich zu Turbine Finkenheerd mutiert. Lange spielten die Groß Lindower nicht mit, die ihre Interessen so nicht ausreichend berücksichtigt fanden. 1954 bildeten sie die BSG Traktor Groß Lindow.

Seitdem gibt es auf engstem Raum zwei ähnlich strukturierte Sportgemeinschaften, die auch Solo auf sportlicher Ebene im Republiksmaßstab aufhorchen ließen. Während die Lindower mit dem Gewinn des Goldenen Traktors in den 1960er und mit dem Aufstieg der Fußball-Männer in die DDR-Liga in den 1970ern für Furore sorgten, hatten die Turbine-Sportler eher in den späten 50ern ihren Höhepunkt erlebt.

1958 wurden die Turbine-Kicker - obwohl sie kurz zuvor mit Harry Nosal, Heinz Schäfer und zwei weiteren Spielern wichtige Akteure an die von höchster Ebene geförderte BSG Stahl abgegeben hatten - überraschend Bezirksmeister.

Allerdings musste Finkenheerd nach einer Saison aus der 2. DDR-Liga absteigen. Da hatte sich mit dem Ende des Braunkohle­tagebaues bereits abgezeichnet, dass das Geld für den Sport in dieser Gemeinde nicht mehr so üppig fließt. Bis 1977 spielten die Finkenheerder mit kleinen Unterbrechungen in der Bezirksliga, dann in der Region nur noch eine Nebenrolle. Am Niedergang konnten auch der Kreispokalsieg 1994 und der Kreismeistertitel 1997 nichts ändern. Die meisten heranwachsenden Spieler verließen aus beruflichen Gründen ihre Heimat.

Auch wenn diese Tendenz weiter anhalten sollte - die Finkenheerder wollen an die guten Traditionen anknüpfen, als dort auch Leichtathleten, Boxer, Ruderer, Kanuten, Radsportler, Kegler oder Tischtennissportler heimisch waren. Neben den Gymnastik-Frauen, deren Leiterin Barbara Birkholz im April ihr 50-jähriges Jubiläum in dieser Funktion begehen wird, kämpfen die Volleyball- und Fußballspieler um den einstmals guten Ruf des Finkenheerder Sportes. "Wenn in jedem Jahr zwei Junioren in den Männerbereich wechseln, haben wir unser Ziel erreicht", spricht Lars Wendland für die Fußballer. Dabei könne im Verein jeder Fußball spielen, auch wenn er zunächst nicht besonders geeignet dafür scheint. "Die Anzahl unserer Kinder im Dorf ist endlich", begründet Siebke.

Während die Finkenheerder aus sportlicher Sicht noch bescheiden sind, haben sie seit etwa vier Jahren hinsichtlich ihres Umfeldes geklotzt. Gerade ist der Bau eines Fußball-Mini-Feldes bewilligt worden. Lichtmasten unterstützen das Training, die beiden Großfelder und der Hartplatz sind eingezäunt. Noch vor wenigen Monaten hatten Wildschweine die Spielflächen in Mitleidenschaft gezogen. Vor drei Jahren installierten die Finkenheerder eine Ergebnistafel, ein Volleyball-Platz entstand 2008. Jüngst wurde der Sozialtrakt saniert. So können sich jetzt vier Mannschaften umziehen und duschen, haben die Schiedsrichter eine eigene Kabine und kann im Vereinsheim gewaschen und gekocht werden. Mittelfristig soll die anliegende alte Kegel- in eine Bowlingbahn umgestaltet werden.

Schließlich sollen sich die Finkenheerder Turbine-Sportler hier wohlfühlen. "Die Spieler bleiben, weil es ihnen hier gefällt, und nicht wegen des Geldes. Das können und wollen wir auch gar nicht leisten", sagt Lars Wendland.

Text: Hagen Bernhard
Quelle: Märkische Oderzeitung
http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Eisenh%25FCttenstadt/id/314377